Fremd ist ganz schön strange …

Mit neunzehn stand ich in Heidelberg an einer S-Bahn-Haltestelle vor dem Fahrkartenautomat und habe nur Bahnhof verstanden. Oder eigentlich noch weniger als Bahnhof, denn dann hätte ich ja zumindest ein Fahrtziel gehabt.
Mal abgesehen davon, dass sämtliche Knöpfe und Schlitze an solch einem Automaten unerreichbar sind für jemanden, der nur einen und einen viertel Meter groß ist, hätte ich auch gar nicht gewusst, welche Knöpfe ich drücken soll, wenn ich denn drangekommen wäre. Einzelticket, Tagesticket, Zonentarif … ich hatte wirklich keinen Schimmer.
Damals war ich überrascht, als schon nach etwa einer Minute, in der ich stirnrunzelnd und mit leicht sehnsuchtsvollem Blick auf den Kasten starrte, jemand an mich herantrat und mir Hilfe anbot. Das war ich von dem verschlafenen Kurstädtchen, in dem ich aufgewachsen bin, nicht gewöhnt. Dort mischt man sich nicht so schnell in anderer Leute Angelegenheiten. Dort wartet man, bis man gefragt wird, man will ja schließlich nicht aufdringlich sein.

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Geschichten von den Weißen – Wölfe im Park

Als meine Hündin Jeshi etwa sieben Monate alt war, hatte ich eine Lektion bereits gelernt: Wenn du dich mit einem jungen, weißen Hundekind auf öffentlich zugängliche Wege und Straßen begibst, solltest du erstens Zeit mitbringen und zweitens nicht menschenscheu sein. Aus jeder Ecke wird es dir entgegenschallen: „Oh Gott, ist der süß!“ oder „Kann man den streicheln?“ oder „Was ist das für einer?“, oder es ertönt einfach nur ein langgezogenes „süüüüß“, und zwar in einer Tonlage, in der das „ü“ bereits in ein schrilles „i“ übergeht.
Es kann recht unterhaltsam sein, sich passende Erwiderungen auszudenken („Ist er nicht, ich habe probiert!“ oder „Einmal streicheln kostet 2 Euro“). Da die Leute dir in solchen Momenten meist sowieso nicht zuhören, weil alle ihre Sinne vollständig von dem weißen Fellknäuel vereinnahmt sind, macht es jedoch wenig Sinn, eine Diskussion anzufangen. Es gibt eigentlich nur die Möglichkeit, den Ansturm über sich ergehen zu lassen (und darauf zu achten, dass der Hund diesen übersteht und nicht erdrückt oder entführt wird) – oder menschliche Ansiedlungen generell zu meiden und irgendwo in der sibirischen Taiga spazieren zu gehen.

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Kann ich helfen?

Eigentlich eine schöne Sache, wenn dir ein Mitmensch diese Frage stellt, oder? Wo wären wir, wenn wir uns nicht gegenseitig unterstützen würden! Brisant kann die Sache dann werden, wenn die Angesprochene behindert ist und der Fragesteller nicht.
Die meisten Leute fragen in solch einer Situation erst gar nicht. Manchmal stelle ich mich im Supermarkt eine Weile vor ein Regal und schmachte das Marmeladenglas in der obersten Reihe an. Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen an mir vorbeirauschen, ohne mich wahrzunehmen, zumal ich sonst ja durchaus langanhaltend und ausgiebig beobachtet werde.
Einige Leute helfen ungefragt. „Sie wollen das hier, nicht wahr?“, heißt es dann und ich habe plötzlich ein Glas Honig in der Hand. Bevor ich „Nein“ sagen kann, ist mein spontaner Helfer schon im nächsten Gang verschwunden. Und ich darf schauen, wie ich das Glas wieder zurück ins Regal bekomme.
„Also wie ist das jetzt?“, hat mich neulich ein Bekannter gefragt. „Willst du überhaupt, dass man dir hilft? Eigentlich willst du doch alles allein machen!“
„Kommt darauf an“, war meine nicht sehr hilfreiche Antwort.

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Wie klein ist eigentlich klein?

Wie klein ist eigentlich klein?
Hallo – ich bin die „kleine Frau zwischen Alltag und Erleuchtung“ und was ich meine, wenn ich mich als „kleine Frau“ bezeichne, würde ich gern erklären. „Klein“ bedeutet in meinem Fall 125 cm groß. Oder eben nicht groß. In etwa so wie ein sechs- bis siebenjähriges Kind.
Mit 125 cm ist man kleinwüchsig, ziemlich sogar, denn nach medizinischer Definition sind das derzeit alle Frauen unter 140 cm und alle Männer unter 150 cm. „Derzeit“ deswegen, weil dieser Wert an die durchschnittliche Körpergröße angepasst wird und die Kurve stetig nach oben geht, das heißt, die Menschen in unseren Breitengraden werden immer größer.

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