Wie klein ist eigentlich klein?

Wie klein ist eigentlich klein?
Hallo – ich bin die „kleine Frau zwischen Alltag und Erleuchtung“ und was ich meine, wenn ich mich als „kleine Frau“ bezeichne, würde ich gern erklären. „Klein“ bedeutet in meinem Fall 125 cm groß. Oder eben nicht groß. In etwa so wie ein sechs- bis siebenjähriges Kind.
Mit 125 cm ist man kleinwüchsig, ziemlich sogar, denn nach medizinischer Definition sind das derzeit alle Frauen unter 140 cm und alle Männer unter 150 cm. „Derzeit“ deswegen, weil dieser Wert an die durchschnittliche Körpergröße angepasst wird und die Kurve stetig nach oben geht, das heißt, die Menschen in unseren Breitengraden werden immer größer.

Also das eine ist: Ich bin klein. Doch damit ist es in meinem Fall nicht getan, was mir offenbar schon als Kind bewusst wurde, als ich meine Mutter fragte: „Mutti, warum schauen die alle so? Warum denken die nicht einfach, ich wär‘ jünger?“
Weil, versuchte meine Mutter mir zu erklären, ich nicht nur kleiner, sondern auch ganz anders proportioniert bin. Man kann nämlich „normal“ klein sein, sprich, einfach nicht so groß wie die anderen, oder „dysproportionalen Kleinwuchs“ haben. Bei mir wird das dann medizinisch korrekt als „Achondroplasie“ bezeichnet. Wörtlich übersetzt heißt das: Nicht-Knorpel-Bildung. Vor allem die Röhrenknochen in den Armen und Beinen fanden das Tempo, mit denen sie wachsen sollten, eindeutig zu schnell. „Gemach, gemach!“ meinten sie, nur, bis sie in die Gänge kamen, waren die Wachstumsfugen geschlossen und dann ging gar nichts mehr. Was dabei herauskam? Na, kleene Beene eben! Und kleene Arme. Dafür hat sich der Schädel extra groß gemacht, nur die Nase blieb stupsig. Die Finger wollten sich auch nicht so lang machen, dafür stehen sie etwas auseinander. „Dreizackhand“ nennt man das, wie das Ding von Neptun, in dessen Tierkreiszeichen ich geboren bin.
Falls du es schwierig findest, dir das Ganze vorzustellen, empfehle ich dir, mal die Serie „Game of Thrones“ zu schauen, in der ein Schauspieler mit Achondroplasie sogar vom Neben- zum Hauptdarsteller aufgestiegen ist, weil er so gute Kritiken bekam. Ich spreche von Peter Dinklage, der in der Serie den Tyrion Lennister verkörpert.
In Deutschland besser bekannt ist wahrscheinlich die kleinwüchsige Schauspielerin ChrisTine Urspruch. Sie schreibt ihren Namen selbst mit großem T und spielt im Tatort Münster die von Jan-Josef Liefers alias Dr. Boerne so gerne als „Alberich“ bezeichnete Gerichtsmedizinerin Silke Haller.
Gerade im Fernsehen hat sich in den vergangenen Jahren beim Thema „Kleinwuchs“ einiges getan, allerdings nicht immer zum besten, wie ich finde. 2012 gab’s auf Sat1 diese seltsame Doku „Die große Welt der kleinen Menschen“ mit Ulla Kock am Brink – das sagt doch schon alles, oder? Mal ehrlich: Warum muss ich eine Doku darüber machen, wie kleinwüchsige Menschen Häuser bauen oder Jobs suchen? Weil sie es so besonders schwer haben? Weil sie so benachteiligt sind? Oder vielleicht doch, weil sie irgendwie lustig dabei aussehen? In meinen Augen hat das nichts mit Aufklärung zu tun, sondern, ums deutlich auszudrücken, mit Voyeurismus.
Wie wäre es stattdessen damit: In einer Sendung über Häuslebauer berichten 3 Familien über ihre Erlebnisse, eine dieser Familien ist kleinwüchsig. Oder in einer der zahlreichen Zoodokus taucht auch mal ein kleinwüchsiger Tierpfleger auf. Eine der Kandidatinnen beim „Promidinner“ ist klein. Oder besonders groß. Oder gehörlos. Oder was auch immer.
Es braucht keine Sendungen, in denen Menschen mit Behinderungen zur Schau gestellt werden (meiner Meinung nach braucht es auch keine Sendungen über getauschte Frauen oder Dschungelcamper, aber das ist was anderes). Ich würde mich über Sendungen freuen, in denen es vollkommen selbstverständliche Begegnungen zwischen Behinderten und „Normalos“ gibt. So selbstverständlich, wie es die Politik gerne hätte, so selbstverständlich, wie ich es durchaus auch häufig erlebe. Aber eben nicht nur. Dazu gibt’s hier immer wieder kleine Anekdoten. Oder auch große. Mal sehen.
Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

2 Gedanken zu „Wie klein ist eigentlich klein?

  1. Die 2 Kleineren oder auch kürzeren Schauspieler die Du erwähnst haben aber auch beide echt sehr sympatische Rollen, also in den Tyrion war ich schon bissle verknallt ;-). ich finde im Tv werden oft Menschen sehr sehr vorgeführt in den unterschiedlichsten Sendungen vonBauer sucht Frau bis zu dieser Modelsendung etc. Ich fände es schön wenn das öffentlich rechtliche mal mehr dagegen halten würde. Auch z.B. was Frauenrollen angeht. Liebe Grüße

    • Liebe Karo, meine Antwort kommt etwas verspätet, trotzdem bedanke ich mich sehr für Deinen Kommentar und bin ganz bei Dir, was das TV angeht!

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