Fremd ist ganz schön strange …

Mit neunzehn stand ich in Heidelberg an einer S-Bahn-Haltestelle vor dem Fahrkartenautomat und habe nur Bahnhof verstanden. Oder eigentlich noch weniger als Bahnhof, denn dann hätte ich ja zumindest ein Fahrtziel gehabt.
Mal abgesehen davon, dass sämtliche Knöpfe und Schlitze an solch einem Automaten unerreichbar sind für jemanden, der nur einen und einen viertel Meter groß ist, hätte ich auch gar nicht gewusst, welche Knöpfe ich drücken soll, wenn ich denn drangekommen wäre. Einzelticket, Tagesticket, Zonentarif … ich hatte wirklich keinen Schimmer.
Damals war ich überrascht, als schon nach etwa einer Minute, in der ich stirnrunzelnd und mit leicht sehnsuchtsvollem Blick auf den Kasten starrte, jemand an mich herantrat und mir Hilfe anbot. Das war ich von dem verschlafenen Kurstädtchen, in dem ich aufgewachsen bin, nicht gewöhnt. Dort mischt man sich nicht so schnell in anderer Leute Angelegenheiten. Dort wartet man, bis man gefragt wird, man will ja schließlich nicht aufdringlich sein.

Weiterlesen

Wo bitte geht’s zur Trauer?

Ich bin noch nicht lange in den sozialen Medien aktiv, daher sei mir eine Art kindliches Erstaunen gestattet über das, was seit Dienstag im Netz und im TV geschieht. Da geht es schon los: Kindliches Erstaunen – kann ich, darf ich so etwas schreiben angesichts der Katastrophe? Welche Worte wähle ich? Wie verhalte ich mich richtig? Solche Fragen stelle ich mir auch dann, wenn ich auf einer Trauerfeier den nahen Verwandten des Verstorbenen begegne. Und genauso fühlt es sich ja auch an – als kämen wir alle aus Haltern, als hätten wir die Schülergruppe und alle anderen Passagiere persönlich gekannt. Vor nicht allzu langer Zeit waren wir alle Charlie, jetzt sind wir alle 4U9525. Im Liveticker von n-tv ist eine Nachricht der portugiesischen Parlamentspräsidentin zu lesen: „Heute sind wir alle Deutsche und Spanier“.

Weiterlesen

Kann ich helfen?

Eigentlich eine schöne Sache, wenn dir ein Mitmensch diese Frage stellt, oder? Wo wären wir, wenn wir uns nicht gegenseitig unterstützen würden! Brisant kann die Sache dann werden, wenn die Angesprochene behindert ist und der Fragesteller nicht.
Die meisten Leute fragen in solch einer Situation erst gar nicht. Manchmal stelle ich mich im Supermarkt eine Weile vor ein Regal und schmachte das Marmeladenglas in der obersten Reihe an. Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen an mir vorbeirauschen, ohne mich wahrzunehmen, zumal ich sonst ja durchaus langanhaltend und ausgiebig beobachtet werde.
Einige Leute helfen ungefragt. „Sie wollen das hier, nicht wahr?“, heißt es dann und ich habe plötzlich ein Glas Honig in der Hand. Bevor ich „Nein“ sagen kann, ist mein spontaner Helfer schon im nächsten Gang verschwunden. Und ich darf schauen, wie ich das Glas wieder zurück ins Regal bekomme.
„Also wie ist das jetzt?“, hat mich neulich ein Bekannter gefragt. „Willst du überhaupt, dass man dir hilft? Eigentlich willst du doch alles allein machen!“
„Kommt darauf an“, war meine nicht sehr hilfreiche Antwort.

Weiterlesen

Wie klein ist eigentlich klein?

Wie klein ist eigentlich klein?
Hallo – ich bin die „kleine Frau zwischen Alltag und Erleuchtung“ und was ich meine, wenn ich mich als „kleine Frau“ bezeichne, würde ich gern erklären. „Klein“ bedeutet in meinem Fall 125 cm groß. Oder eben nicht groß. In etwa so wie ein sechs- bis siebenjähriges Kind.
Mit 125 cm ist man kleinwüchsig, ziemlich sogar, denn nach medizinischer Definition sind das derzeit alle Frauen unter 140 cm und alle Männer unter 150 cm. „Derzeit“ deswegen, weil dieser Wert an die durchschnittliche Körpergröße angepasst wird und die Kurve stetig nach oben geht, das heißt, die Menschen in unseren Breitengraden werden immer größer.

Weiterlesen